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|10| G.R.A.M. - Hohes Haus (Kiew)

Wo in unmittelbarer Nähe die schlafenden – oder in den Schlaf versetzten – Polizisten, Soldaten und Manager von Oliver Ressler ihre Köpfe zusammenstecken, sind es beim angrenzenden Foto „Hohes Haus, Kiew“, (2010) von G.R.A.M. die Politiker, die in den Parlamenten handgreiflich werden und so aneinandergeraten. (Meist männliche) Schlägereien in Parlamenten – das gibt es immer wieder und bis heute. Es wird in dieser Serie nicht die Geschichte der Revolution in der Ukraine erzählt, der Künstlergruppe interessierten vielmehr die Fotos dieser Handgreiflichkeiten in Volksvertretungen weltweit, aus denen sie zehn Motive ausgewählt hat und als Reenactment im Grazer Gemeinderatssitzungssaal nachgestellt hat: „Zu sehen sind Menschengruppen in erstarrten Haltungen, wobei Abgeordnete gewürgt und gestoßen, geschoben, gerempelt oder Ähnliches werden. In einigen Szenerien erinnern die Abbilder der übersteigerten Leidenschaft an (barocke) Gemälde mit religiösen Motiven: Hell-Dunkel-Szenerien, gepaart mit manierierten Posen, pathetischen Armhaltungen, fratzenhaften Antlitzen oder dynamischen Körperverwicklungen.“ (G.R.A.M., „Hohes Haus“, Christine König Galerie, 2011)

 

Wir dachten, das Wort „Demokratie“ steht für einen mit Argumenten vorgetragenen Austausch von Interessen, die eine Gesellschaft mit ihren je eigenen Gruppen und Individuen hat und die, um weiterhin friedlich zusammenzuleben, sich damit Regeln und Gesetze gibt. Die Orte dieser Diskurse sind Parlamente.

Aber wenn man die Köpfe nicht denkend und im Wettstreit der Argumente zusammensteckt, sondern gewalttätig wird, ist die Demokratie in Gefahr: Das wurde im Gymnasium schon früh den Kindern im Fach Geschichte beigebracht, als ihnen erstmals Ursprung und Geschichte dieser Staatsform in Griechenland und Rom nahegebracht wurde; dass Gewalt und Macht ein unzertrennliches Paar bilden hat man dann später im Theater gesehen; es ist jedenfalls der Stoff unendlicher Tragödien seit ihrer „Geburt“, um an Nietzsche zu erinnern.

 

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